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Published: 7 years ago

Piaggio X10 350 Executive – der König des Durchstechens

Man kann mit dem Automobil sein Nervenkostüm ruinieren. Oder man fährt clever mit dem Roller in verstopfte Innenstädte. Piaggio hat seine neue Luxus-Baureihe X10 jetzt in Paris vorgestellt –  mitten im Getümmel.

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Auf der Pariser Avenue de Grande Armee kann man sie genau ausmachen: jene Verkehrsteilnehmer, die im Elend, und jene, die mit dem Hoffnungsträger des innerstädtischen Individualverkehrs unterwegs sind.
Die Magistrale, abgehend vom Place Charles de Gaulle, verfügt über sechs Fahrspuren, die ständig dicht befahren werden. In Stoßzeiten käme der Verkehr auf der Avenue de Grande Armee völlig zum Erliegen, wenn die Pariser Motorrad- und Rollerfahrer nicht acht zusätzliche Fahrspuren eröffnen würden: in Schleichfahrt rechts und links der PKWs, millimetergenau zwischen den stauenden Kolonnen, fahren sie an den Ampeln vor. Und den Automobilen bei zartem Grün augenblicklich davor.
Paris ist die Hauptstadt der Roller, die Dichte ist dort noch höher also in Rom; für den italienischen Hersteller Piaggio ist der französische der wichtigste Exportmarkt. Schlüssig also, dass Piaggio seine neue Luxus-Rollerlinie X10 rund um Louvre und Champs-Élysées vorstellt. Die neue „Grand Tourismo“-Reihe wird in drei Motorversionen angeboten. In Paris hat Piaggio zunächst den X10 125 (15 PS) und den X10 350 Executive (33 PS) aufgeboten; der 41 PS starke X10 500 soll ab Ende Mai produziert werden. 
Luxus für die Mittelklasse
Auf der Île Saint-Louis vor Notre Dame ist das tägliche Chaos bereits perfekt: Lieferwagen, Touristenbusse, Taxen, Limousinen. Die Geschwindigkeit tendiert gegen Null, während der Hup- und Lärmpegel auf Stresslevel oszilliert.
Das richtige Ambiente also, damit die in Frankreich allseits akzeptierten Vorteile eines Rollers richtig zum Tragen kommen: maximale Beweglichkeit beim Durchstechen durch jede noch so kleine Lücke, rasante Beschleunigung aus dem Stand, zügige Entfernung von schimpfenden Fußgängern dank Automatik-Kupplung und –Getriebe, genügend Wetterschutz bei Wind und kurzen Schauern und ein viel geringerer Verbrauch gegenüber Blechdosen.
Diese Scooter-Essentials bieten auch Fahrzeuge in der Preisklasse bis 2000 Euro, doch seit einigen Jahren geht der Trend bei den Käufern zum Luxus: elektronische Vollausstattung, ABS, quasi ein Wohnzimmer auf Rädern. Diese Maxi-Scooter über 600 Kubik, mit über 50 PS und Preisen jenseits 10.000 Euro haben inzwischen Yamaha, Suzuki, Kymco und bald auch BMW im Angebot.
Mit der X10-Palette geht Piaggio einen anderen Weg. Der 125er glänzt mit einem niedrigen Preis (4890,00 Euro); dafür nimmt man bei Fahrleistung und Ausstattung Abstriche in Kauf. Die 350er (6990,00 Euro) und 500er-Modelle (7790,00 Euro) kommen mit einem zu der Konkurrenz vergleichsweise schwachbrüstigen Einzylindermotor, aber dem vollen Executive-Luxuspaket. 
Frage: Sind ein zweiter Zylinder oder 20 PS  mehr Leistung einen Mehrpreis von 3.000 Euro wert? Piaggio sagt Nein. Im Stadtverkehr und den üblichen Tagesfahrten zählt der Komfort; und der ist bei allen X10-Rollern enorm. Der Windschutz ist selbst für große Fahrer bis 1,90 Meter völlig ausreichend. Beim 350er-Modell liegt der Radstand bei beachtlichen 1625 mm; die Sitzbank für zwei Passagiere misst gefühlte zwei Meter, ist bequem, aber nicht zu weich. Das Steißpolster für den Fahrer ist individuell einstellbar; die Sitzposition durch die endlos langen Fußablagen auch für den Sozius sehr variabel. 
Stauraum ist ab Werk genügend vorhanden, unter die Sitzbank passen zwei Jethelme, Regenanzüge und eine Laptop-Tasche. Wer mehr Raum braucht, kann sich beim Zubehör bedienen; ein Topcase und ein Packtaschensystem sind ebenso im Angebot wie die in Paris offenbar obligatorische Knieschutzdecke. Die verwundert nicht mehr, wenn man die hohe Zahl von Anzug-, Krawatten- und Maßschuhträgern unter den Scooteristen realisiert hat.
Der Piaggio-Schwung
Motorisiert hat Piaggio den X10 350 mit einem neuen, angeblich sehr effizienten Einzylinder-Viertakt-Motor, der mit einem Automatikgetriebe gekoppelt ist. Der Verbrauch soll unter vier Litern liegen; testen konnten wir das in Paris nicht wirklich. Motor und Getriebe sind in einem konventionelles Chassis mit 15 Zoll- (vorne) und 13 Zoll-Rädern (hinten) verbaut, das von einer Teleskop-Gabel und zwei Stoßdämpfern gefedert wird. Nur das 500er-Modell hat im Heck ein einzelnes, elektronisch einstellbares Federbein. Sehr schön ist das ABS, fraglich die Traktionskontrolle, die trotz Pariser Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen bei 33 PS wohl selten zum Einsatz kommt. Ein schönes Detail ist die mit dem Seitenständer gekoppelte Feststellbremse; das haben aber auch schon Andere. 
Wirklich anders als die Konkurrenz ist bei der X10-Palette nur das Design in den Farben Mercury Braun, Orion Grau, Midnight Blau und Cosmo Schwarz. Unabhängig von den Farben haben sich die Piaggio-Gestalter auf weiche Linien und massive, breite Hecks mit LED-Bändern festgelegt. Doch den ersten Eindruck schindet bei der Piaggio X10-Palette die Front. Das breite, geschwungene Lichtband aus hoch angesetzten Blinkern und Dreifach-Scheinwerfern vermittelt sofort: Ich bin ein großer, starker Roller – auch der 125er kommt so daher, er unterscheidet sich von den beiden Top-Modellen nur in der Motorisierung und elektronischen Add-ons.
Der Schwung setzt sich fort an den Seiten. Dort mäandern als Ausdruck der neuen Piaggio-Formensprache jetzt zwei Wellen entlang der Verkleidung; unterstützt wird die Bewegung durch ein metallisches Insert-Band, das die Verkleidungen beim Umfallen stützen soll. Ob das stimmt, wird sich zeigen, ob die neuen Linien beim Publikum ankommen, ebenfalls. Mann muss sie nicht lieben, die X10-Piaggios, aber Technik und Preis stimmen.
One Comment.
  1. Anonymous says:

    Hallo habe mir den x 10 350 ccm gekauft ist einfach ein Klasse Designe Motor ist mehr als Aussreichend, Super Feeling auch für meine Frau die ab und zu auf Wochenedtouren mit dabei ist.

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