I work because I love this shit.

Published: 2 years ago
  • Common Moor - Bonhams July 2015
  • Common Moor - Bonhams July 2015
  • 1938 BROUGH SUPERIOR 982CC SS100 PROJECT
  • Common Moor - Bonhams July 2015
  • project1
  • The ex- Hubert Chantrey 1938 Brough Superior 800cc BS4
  • SS80 PROJECT WITH PETROL TUBE SIDECAR
  • Bildschirmfoto 2015-12-15 um 17.00.17
  • The ex- Hubert Chantrey 1938 Brough Superior 800cc BS4.png___2
  • Bildschirmfoto 2015-12-15 um 17.27.27

Brough-Auktion bei Bonhams: Der Schatz aus dem Schuppen

Kürzlich wurden in einem Schuppen acht längst verschollen geglaubte Brough-Einzelstücke gefunden. Motorradsammler weltweit stehen unter Strom.

Für Ben Walker, den Leiter der Motorradabteilung des Londoner Auktionshauses Bonhams, muss es wie ein vorgezogenes Weihnachtsmärchen gewesen sein.

Er öffnete ein letztes Türchen – in diesem Fall eine alte, knarrende Holztür auf einem abgelegenen Anwesen im tiefen ländlichen Cornwall – und dahinter verbarg sich die Sammlersensation des Jahres: In England sind acht bisher verloren geglaubte Brough-Motorräder (gesprochen Braff) aus den Jahren 1926 bis 1939 in einer feuchten Scheune gefunden worden.

Achtung, jetzt kommt Nerd-Wissen: Unter den gefundenen Maschinen befinden sich zwei Brough Superior SS80, eine Brough SS80 mit Seitenwagen, eine Superior SS100 und eine äußerst seltene Brough Superior 800cc BS4 Baujahr 1938 mit dem charakteristischen doppelten Hinterrad. Von der für den Seitenwagenbetrieb konstruierten BS4 mit ihrem 797 Kubik-Vierzylinder-Austin-Motor wurden insgesamt nur acht Stück gebaut; die jetzt gefundene Maschine ist die letzte BS4-Seriennummer, die bisher noch als vermisst galt.

Vergessen im Schuppen

Man kann es aber auch einfacher ausdrücken: “Das ist einer der spektakulärsten Funde der vergangenen Jahrzehnte,” sagt Ben Walker. “Gemutmaßt hat mal viel über diese Motorräder, aber irgendwann wurden sie zum bloßen Mysterium. Keiner hat mehr richtig daran geglaubt. Und jetzt das: die letzte bekannte Sammlung von originalen Broughs. So etwas wird es wohl nie wieder geben.”

Die fünf Fahrzeuge und drei weitere Broughs in Einzelteilen hat der englische Sammler Frank Vague in den Sechzigerjahren erworben und in dem Schuppen auf seinem Anwesen in Cornwall eingelagert. Seither wurden sie offensichtlich nie wieder angerührt – bis seine Erben sie Anfang 2015 nach Vagues Tod unter Bergen von Staub und Haushaltsschrott wiederfanden.

Dass die Maschinen in schlechtem Zustand sind, spricht für Ben Walker nicht gegen hohe Erlöse bei der Versteigerung der Vague-Sammlung: “Der Markt für unrestaurierte Maschinen wächst ständig. Und es sind ja auch echte Sensationsstücke darunter,” urteilt Walker. “Schauen Sie nur auf die dreirädrige Superior 800cc BS4. Sie hat ursprünglich Hubert Chantrey, einem engen Freund von George Brough, gehört.”

Illustre Fangemeinde

Broughs, die “Rolls-Royce unter den Motorrädern”, wurden zwischen 1919 und 1940 vom Konstrukteur und Racer Georg Brough in einer kleinen Manufaktur im englischen Nottingham handgefertigt. Die bekanntesten Modelle waren die Superior SS80 und die SS100 mit bis zu 70 PS – das erstgenannte Fahrzeug wurde mit einem Zertifikat über eine Endgeschwindigkeit von 80 Meilen pro Stunde ausgeliefert, das zweite erreichte eine Spitze von mehr als 160 Stundenkilometer. Der Geschwindigkeitsrekord für eine Brough wurde im April 1937 auf einer verkleideten Kompressor-SS100 mit 273,244 km/h aufgestellt.

George Brough verkaufte von den für die damaligen Straßenverhältnisse irrwitzig schnellen Maschinen, die rasch eine fanatische Anhängerschaft fanden, mehr als 3000 Stück. Der irische Dramatiker George Bernard Shaw kaufte gleich mehrere Maschinen auf Vorrat; Orson Wells besaß eine Brough Superior SS100. Mit dem gleichen Modell fuhr sich am 13. Mai 1935 der britische Soldat und Schriftsteller T. E. Lawrence, auch bekannt als “Lawrence von Arabien”, zu Tode. Der Exzentriker hatte sieben Brough Superiors im Nachlass.

Klasse für die Kasse

Von den gebauten Broughs sind heute noch ungefähr ein Drittel in Händen von Sammlern; je nach Zustand werden sie bei Motorradauktionen zu inzwischen schwindelerregenden Preisen gehandelt. Im Oktober 2012 wechselte eine 1922er Superior SS80 “Old Bill” in England für rund 428.000 Euro den Besitzer. Zwei Jahre später, im November 2014, wurde für eine außergewöhnlich gut restaurierte Superior “Alpine Grand Sports” SS100 aus dem Jahr 1929 der bisherigen Brough-Auktionsrekord von 450.000 Euro gezahlt.

Den absoluten Rekord für zwei alte Räder hält allerdings ein Cyclone Board Track Racer von 1915: Die Maschine stammt aus dem Nachlass von Steve McQueen und erzielte im März dieses Jahres in Las Vegas umgerechnet 776.000 Euro.

Die fünf Broughs und drei Brough-Teilepakete aus Frank Vagues Schuppen werden von Bonhams am 24. April 2016 auf dem Spring Stafford Sale für Vintage & Collectors’ Motorcycles in der Nähe von Birmingham zur Auktion gebracht. Bonhams rechnet mit einem Gesamterlös um die 470.000 Euro.

Fotos (c) Adrian Brown / Bonhams

Some HTML is OK